ChronikEisenerzabbau
Eisenerz aus Rheinhessen






 

Bohnerzabbau bei Gau-Heppenheim und Gau-Bickelheim

Von Hermann Scholl und Hans-Dieter Bauer

Erschienen im Heimatjahrbuch aus dem Jahr 2010

 

 Unternimmt man einen Spaziergang längs der Südwestkante des Wißberg-Plateaus, so kann man

einen wunderbaren Ausblick über die Wallertheimer und Gau-Bickelheimer Gemarkung genießen. Schaut

man auch ab und zu einmal auf den Feldweg oder auf den Boden zwischen den Rebreihen, so fallen

einem stellenweise Ansammlungen erbsen- bis bohnengroßer, manchmal noch größerer, brauner,

rundlicher bis stumpfkantiger "Steinchen" auf, die man auf den allerersten Blick gar mit Hasenlosung 

verwechseln mag (Bild 1). Es sind dies Bohnerzkörner, wie man sie in vielen Gegenden Rheinhessens 

findet. Wenigen Einwohnern ist bewusst, dass diese unscheinbaren Steinchen eine nicht

unbedeutende Rolle in der Industriegeschichte unserer Gegend spielten und vor allem im 19.

Jahrhundert etlichen Menschen Lohn und Brot bedeuteten.

 Bohnerz ist ein Verwitterungsprodukt. In einem feuchtwarmen tropischen Klima können kalkig-lehmige

Sedimente durch die Versickerung von Oberflächenwasser stark zerklüftet werden. Dieser Vorgang

heißt Verkarstung und führt mancherorts zu eindrucksvollen Landschaftsformen, wie in Dalmatien oder

in der Schwaben- und Frankenalb mit ihren typischen Höhlen- und Dolinenbildungen. Mechanische, aber

vor allem chemische Vorgänge spielen dabei die Hauptrolle: Die kalkigen Bestandteile werden durch die

im Regenwasser enthaltene Kohlensäure gelöst und somit herausgewaschen, während ie lehmigen

Bestandteile als Ton zurückbleiben. Dieser füllt dann oft die Hohlräume und Klüfte des sich

zersetzenden Kalks aus oder liegt letztlich einem härteren, schwerer verwitternden Gestein als Schicht

auf. In diesen Tonen finden sich dann häufig die besagten Bohnerzkörper, quasi wie Rosinen im

Weihnachtsstollen. Sie bestehen größtenteils aus den Mineralien Limonit (Brauneisenstein) und Geothit,

komplizierten Verbindungen von Eisen, Sauerstoff und Wasserstoff, und können neben 30-50% Eisen

noch andere Metallbestandteile aufweisen [1]. Das Wasser löste auch die geringen Eisenbestandteile

aus dem Kalk, allerdings wurden diese auf ihrem Weg durch den Ton wieder ausgeschieden, wobei

dieser Prozess jedoch an bestimmten Stellen (die man als Keime bezeichnen könnte) einsetzte und

dort dann bevorzugt ablief. Die Körner wuchsen dann Schicht für Schicht, was der Fachmann an ihrem

zwiebelähnichen Aufbau erkennen kann. Die in Deutschland vorliegenden Bohnerztone entstanden

meist während des Eozäns (vor etwa 55 bis 38 Millionen Jahren) in einem subtropischen kontinentalen

Klima.

 In Rheinhessen kennt man Bohnerzvorkommen vom Westerberg bei Ingelheim und vom Wißberg bei

Gau-Bickelheim, außerdem gibt es reiche Vorkommen zwischen Gau-Heppenheim und Bechtheim,

namentlich am Kloppberg, Höllenberg und Löwenberg [2]. Bild 2 zeigt einen schematischen Schnitt

(WSW - ONO) durch den Wißberg, der erkennen lässt, dass der Bohnerzton vor allem an der

Südwestkante des Plateaus zutage tritt, andernorts durch meterdicke Lösslehmschichten bedeckt ist

und den härteren Schichten des Corbicula-Kalkes aufliegt. Der Löss wurde erst während der letzten

Eiszeit auf die verwitterte Oberfläche abgelagert und musste entfernt werden, bevor die

rheinhessischen Bohnerze im Tagebau geschürft werden konnten.

 Die Verhüttung der Bohnerze setzte in Europa während der Hallstadtzeit ein, vermutlich um

ca. 500 v. Chr [1]. Eisen war zu dieser Zeit etwas Wertvolles, Besonderes, diente es doch vor allem zur

Herstellung von hochwertigen Werkzeugen und Waffen. Die Wertschätzung, die man diesem Material

entgegenbrachte, drückt sich auch dadurch aus, dass Bohnerzkörper vereinzelt in Amulette

eingearbeitet und als Schmuck getragen wurden. Man kennt solche Amulette aus Gräbern der

Merowingerzeit [3]. In größerem Umfang wurden in Mitteleuropa Bohnerze erst im ausgehenden

Mittelalter geschürft und verhüttet, so etwa seit 1323 im Gebiet um Schaffhausen, und dies - mit

Unterbrechungen - über 500 Jahre lang [4].

 Zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit dem Einsetzen der industriellen Revolution wuchs die Nachfrage 

nach Roheisen stark an, und damit wurden auch die rheinhessischen Bohnerze interessant. Gruben

zum Abbau der Erze und Waschstellen bzw. -häuser, damals "Erzwaschen" genannt, mussten angelegt

werden (Bild 3). Letztere dienten dazu, die Erzkörner von dem anhaftenden Ton zu trennen. Sodann

musste der Transport des Erzes zu den Hüttenwerken organisiert werden. Denn es war einfacher, das

Erz zu den Hütten zu schaffen, als das nötige Holz zu den Erzgruben: Zur Verhüttung einer Tonne Erz

waren 10 Tonnen Holzkohle nötig, gewonnen aus 40 Tonnen Holz!

 1804 ließ deshalb der Inhaber der Eisenhüttenwerke in Eisenberg/Pfalz, Ludwig von Gienanth, erste

Versuchsschürfungen in Rheinhessen durchführen. 1805 begannen die Vorbereitungen für den

kommerziellen Abbau und die Einrichtung der Erzwäsche in der Gewann Kuhtränk von

Gau-Heppenheim, wo eine Quelle einen kleinen Wasserlauf speiste, der bisher als Tränke der hier

grasenden Kühe gedient hatte [5]. 1808 stellt von Gienanth den formellen Antrag auf eine Konzession

zur Erzgewinnung. Die Konzession für die Grube am Wißberg wurde 1822 erteilt, 1825 wurde die

Wasserversorgung durch die Gau-Bickelheimer Mühle zur Erzwäsche gepachtet und der Abbau begann

1828 am Südwestrand des Bergplateaus, wo die Erze praktisch an der Oberfläche liegen (vgl. Bild 2)

[6]. Der Flurname "Erzkaute" erinnert daran, ebenso wie drei "Erzwäsche" genannte Flurstücke rund

um Gau-Bickelheim: Eine findet sich an der Effenmühle, eine bei der früheren Ortsmühle am

Nordostrand des Ortes und eine südlich von Gau-Bickelheim beim mittlerweile verschwundenen

"Pfingstbronn" [7]. Die Effenmühle wurde 1858 von Gienanth angekauft, 1859 hier eine Erzwasche

angelegt [6]. Auch auf St. Johanner Gemarkung scheint es eine Erzwasche gegeben zu haben,

zumindest ist eine Lageskizze von 1853 davon erhalten - vielleicht nur ein Entwurf [6].

 Die Lagerstätte auf dem Westerberg wurde relativ spät (1851) durch eine deutsch-niederländische

Firma erschlossen. 1857 wurde auch eine Erzwasche im Frei-Weinheimer hafen angelegt [8,9].

 Welchen Stellenwert hatten die Tagebaugruben in Rheinhessen für die Gienanth`schen Hüttenwerke

in Eisenberg, Hochstein und Trippstadt?

 Die drei Werke verbrauchten 1814 - 1824 im Schnitt 58 800 Ztr. Erz jährlich, davon lieferte Heppenheim

ein gutes Viertel. Von den durchschnittlich 100 250 Ztr. Erz der Jahre 1833 - 1839 lieferte Heppenheim

30 000, der Wißberg 34 000. 1848/49 erreichte die Produktion in Heppenheim einen Höhepunkt:

44 000 Zentner wurden auf einer Fläche von 33 Hektar Schürfgebiet gewonnen. Gleichzeitig kam es in

Gau-Bickelheim zu einem Einbruch der Liefermenge auf zeitweise nur 4 000 Ztr. jährlich - offenbar kam

es zu Streitigkeiten anlässlich der Lohnforderungen der Gau-Bickelheimer Fuhrleute. In den 50er Jahren

lagen die Lieferungen wieder bei beiden Gruben zwischen 20 000 und 30 000 Zentnern [6.10].

Rheinhessen lieferte also zeitweise über 50% des Erzbedarfs der Gienanth`schen Werke!

 Was die Kosten der Erze angeht, so ist überliefert, dass der Zentner Bohnerz aus Rheinhessen im

Abbau 8 Kreuzer kostete, zuzüglich 12 Kreuzer (Heppenheim) bzw. 16 Kreuzer (Gau-Bickelheim)

Transportkosten. Das "originäre" Erz aus Imsbach, das die Gienanth`schen Öfen traditionell speiste,

kostete pro Zentner zwar nur 8 Kreuzer transport, aber 20 Kreuzer im Abbau [6.10]!

 Der Eisengehalt der rheinhessischen Erze war mit 34% (Wissberg) und 30% (Gau-Heppenheim) sehr

gut und stand dem Imsbacher Erz (38%) damit kaum nach [6].

 Die Organisation der Grubenarbeit und die Aufsicht darüber oblag vor Ort einem oder mehreren

"Erzlieferanten", die die direkten Vertragspartner des Hüttenwerks waren, sozusagen dessen

Subunternehmer. Die Arbeiter, Fuhrleute und Erzleferanten unterstanden der Gruben-Ordung, die vom

abnehemenden Hüttenwerk aufgestellt wurde.

Die für Gau-Bickelheim lautete [6]:

 

Wiesberger Gruben Ordnung 1829

Steiger hat hiervon Abschrift

  1. Vom Aprill biß zum Zahltag im Octobre wird Sommerlohn 24 Kreuzer und die übrige Zeit Winterlohn

20 Kreuzer bezahlt.

  2. Beim Sommerohn wird von morgens 5 biß abends 7 Uhr gearbeitet, wo jedoch von 7 - 7 1/2, von 11 - 1

und von 4 - 4 1/2 Uhr geruhet, dahingegen beim Winterlohn nur von 11 - 1 Uhr stillgehalten wird.

  3. Die Erzfuhren fahren beständig alle Tage, jeder 4 mal an die ihnen bestimmte Erzwasche, daher auch

der Lohn immer gleich gültig bleibt.

  4. Das Fuhrwesen darf ohne Order nicht unterbrochen werden, sondern täglich von einem Zahltag zum

anderen 24 Tage fortfahren, daher bei eintreffender Hinderniß mit einem Pferd oder dem Wagen, der

Fuhrmann ein anderen Wagen in seinem Namen fortgehen lassen muß, den ... bestimmten Reserve

Fuhrmann seines Orts.

  5. Derjenige Arbeiter, welcher morgens beim allgemeinen Anfang nicht auf der Wasch oder Grube ist, kann

diesen Tag nicht meht angenommen werden. Auch dürfen überhaupt keine 3/4 oder 1/2 Tage gemacht

werden.

  6. Weder auf der Grube noch vorzüglich an der Wasche darf die Arbeit nicht ausgesetzt werden, und im Fall

einem Arbeiter Hindernisse vorkommen sollten, dann muss er sich durch den bestehenden Reservemann

vertreten lassen, welches jedoch nicht häufig von einem oder dem anderen vorkommen darf, oder im

Gegenteil, den anderen Monat entlassen werden soll.

  7. Das zu reparierende Geschirr soll immer dem Steiger zur Besorgung übergeben werden.

  8. Die von der Grube zu den Waschen fahrenden Fuhren sollen Kasten haben, welche 10 Fuß lang, 1 1/2

Fuß hoch, 3 Fuß oben 2 Fuß unten weit, an bord sind also 37 Kubikfuß enthaltend und 30 Zentner wiegend.

Wenn diese Kasten auf der Grube gestrichen voll gemacht werden, sind solche bei der Wasch ankommend,

handbreit leer und wiegen dann 30 Ztr. an Erz, welches Gewicht sie immer haben müssen.

  9. Die gewaschenen Erze werden von den einschlägigen Gemeinden ausschließlich fremden Fuhrleuten,

vom 10. Aprill jedes Jahr anfangend, jedoch täglich nicht mehr als mit 10 Pferden abgefahren, und zwar darf

nach dem Feyerabend kein erz mehr geladen werden.

  10. Jeder Fuhrmann erhält beim Laden durch den ersten Erzwascher (vom Steiger unterzeichnet) seinen

Ladeschein, wo das erz innerhalb 4 Tagen, bei ... spätherer Ankunft von 2 ... Erz, auf dem Hüttenwerke

abgeliefert seien, auch wer gar kein Ladschein bringt, erhält nur das halb Gewicht bezahlt. Derjenige welcher

sein Erz in den Hof abwirft odergar an fremde Fuhren abgibt, erhält das laufende Jahr kein erz mehr. Im

halben Monat März darf durchaus keine Anfuhr. ...

  11. Auf dem Hochsteiner Werk werden nur nachmittags von 5 - 7 Uhr erze abgenommen, oder wer späther

kommt muss sein Erz und Geld biß den anderen Tag zurücklassen.

 Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf war in Gau-Heppenheim der im Jahr 1849 amtierende

Bürgermeister Jakob Dexheimer, vorher sein Vater Konrad Dexheimer. Bürgermeister Dexheimer hatte

auch das Waschhaus in Besitz. Es erscheint im Brandkataster von 1861 als Erzwaschschuppen im Wert

von 300 Gulden. Nachzulesen sind auch die dem Gau-Heppenheimer Subunternehmer Dexheimer

auferlegten Vertragsbedingungen [10]:

"Er hat dafür zu sorgen, dass immer genug Vorräte bei den Hochöfen lagern. Bei Nichteinhaltung zahlt er

beim ersten Mal 25 Gulden Strafe, beim zweiten Mal 100 Gulden (als Abzug von seinem Guthaben). Beim

dritten Mal hat er mit dem Gesamtverlust am Ende des betreffenden Zahlmonats zu rechnen. Außerdem

steht ihm die Kündigung ins Haus. Er darf keine Erze an fremde Hüttenwerke verkaufen. Alle Fuhrleute,

die unterwegs abladen oder innerhalb 5 Tagen nicht zurückkommen, sind anzuzeigen. Für unreines Erz kann

der Hüttenherr Abzüge machen. An Leistungen hat er zu erbringen: Grabung der Erze, Waschung derselben,

Zahlen der Entschädigung an die Feldbesitzer, Säuberung und Reparatur der Erzwäsche. Dafür erhält er pro

Zentner schwarzes Erz 8 Kreuzer, für gelbes Erz 9 Kreuzer. Außerdem hat er genaue Aufzeichnungen über

die Fuhrleute, Ladung, Anzahl der Pferde und die Erzfarbe zu machen. Der Vertrag gilt für ein Jahr und

verlängert sich jeweils um ein weiteres jahr, falls keine Beschwerden vorliegen."

 

Für die Wißberggrube werden die Erzlieferanten Hees, Schmidt, Dexheimer und der ehemalige

Gau-Bickelheimer Bürgermeister Engel genannt [6].

 Die Fuhrleute waren freilich im Hauptberuf Landwirte und daher nicht immer pünktlich mit ihren

Gespannen zur Stelle, was manchmal zu versorgungsschwierigkeiten der Eisenhütten führte und dem

Subunternehmer Dexheimer eine schwere Verwarnung brachte. Die 25 Heppenheimer Fuhrleute lösten

damals schon einen Tarifpoker aus. Sie waren mit der Bezahlung nicht mehr zufrieden, man war 8 - 9

Stunden mit einfachen Pferdefuhrwerken auf einer schwierigen Strecke unterwegs. Zunächst wurden

die Forderungen der Fuhrleute abgewimmelt, da sie ja öfters mit einer Holzladung als Rückfracht einen

zusätzlichen Verdienst hätten und sowieso jeder noch eine Landwirtschaft betreibe. Man sah das

Verlangen nach mehr Fuhrlohn als Repressalie an, zumal sie gewöhnlich viel mehr Zentner Erz als

angegeben geladen hätten. Wenn sie nicht als brave Leute weiter transportierten, müsse man sich

nach anderen Fuhrwerken umsehen. So überlieferte es ein Briefwechsel im Gienanth`schen

Firmenarchiv. Trotzdem vergütete man etwas mehr [5,6].

 Neben der Anlage von Gruben und Erzwaschen lag dem Hüttenherrn natürlich ein funktionierendes

Wegenetz am Herzen. Stöbert man in alten Ausgaben des "Alzeyer Wochenblattes", so findet man im

August 1849 folgende "Amtliche Bekanntmachung": Am 20. August werden im Schulhaus zu

Heppenheim die Arbeiten zur Herstellung eines befestigten Weges nach der Erzwäsche sowie zur

Instandsetzung der ortsstraße und des Dautenheimer Weges zum Preis von 415 Gulden an den

billigsten Anbieter vergeben. Gez.: Jakob Dexheimer, Großherzoglicher Bürgermeister.

 Wie andere Unternehmer und Industrielle setzen sich die Gienanths natürlich für den Aufbau eines

Eisenbahnnetzes ein. Abgesehen davon, dass eine Reduzierung der Transportkosten für

Ausgangsmaterialien und Endprodukte zu erwarten war, erhoffte man sich wohl hier auch einen

Absatzboom. ...

 Die "Karriere" der Bergleute begann, als Bergbube, setzte sich fort nach zwei Jahren als Bergmann

und bei Eignung als Untersteiger und schließlich Obersteiger. Bei Gau-Heppenheim arbeiteten 1813 im

Tagebau 10 Bergleute mit einem Steiger, 4 Erzwäscher und 2 Karrenläufer. 1857 sind es 45 - 50

Erzgräber und 6 Erzwäscher, 8 einspännige Karren brachten das Erz zur Wäsche. Ungefährlich war die

Arbeit in den Gruben keineswegs, da die erzhaltigen Tonschichten stark wasserführend sind und immer

wieder Einstürze verursachten, sogar mit Todesfällen!

 Die Erzgewinnung lief also von etwa 1830 - 1860 auf Hochtouren, für die beteiligten Bauern und

Bergleute brach ein bescheidener Wohlstand aus, viele Häuser stammen aus jener Zeit. Jedoch

produzierte man auch schon "Umweltschäden": Das Gau-Heppenheimer Waschwasser trat manchmal

über die Ufer, die braune Brühe floss außerdem mit dem kleinen Bach zuerst durch die Framersheimer

Gemarkung und später auch in den Weidasser Bach und der ausgewaschene Schlamm setzte sich

überall ab, was z.B. einen betroffenen Müller auf den Plan rief und so den schönsten Rechtsstreit

auslöste [5,6].

 Die Rentabilität der rheinhessischen Gruben ging spätestens in den 1860er Jahren drastisch zurück.

Einerseits lieferte England mittlerweile konkurrenzlos billiges, wenn auch nicht so hochwertiges

Roheisen, zum anderen waren die kontientalen Hüttenwerke technisch veraltet [10]. Dass ab 1871 die

reichen Eisenerzvorkommen von Lothringen zum Deutschen Reich kamen, änderte an der Situation der

Gienanth`schen Werke nichts mehr.

 Das Ende für die rheinhessischen Gruben kam 1879. Trotzdem erschienen noch Situationspläne der

Heppenheimer Gemarkung zur Muthung (Aufspürung) von Eisen- und Manganerzvorkommen mit den

Bezeichnungen "Morgenstern III", "Rochus" und "Siegfried" im Jahre 1883. Erst im Jahre 1993 wurden

im Berggrundbuch auf Ersuchen des Oberbergamtes für das Saarland und Rheinland-Pfalz die

Schürfrechte der Eisenberger Gewerkschaft von Amtswegen gelöscht [11].

 Die Gießerei Gienanth ist heute der weltweit führende Anbieter von gegossenen Motorblöcken für

mittlere bis große Diesel- und Gasmotoren sowie von Kupplungsprodukten für die Autoindustrie. Sie

gehört seit 2008 zum Großinvestor Cognetas. Wer sich zum dargestellten Thema näher interessiert,

dem sei z.B. der "Frühindustriepark Gienanth" [12] empfohlen - und ein Spaziergang rund um den

Wißberg!

 

 Quellen und Literatur:

 [1] www.mineralienatlas.de

 [2] Bartz, Joachim: Bohnerze im nördlichen Oberrheingebiet.

       In: Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft, Band 109 (1957).

 [3] M. Herdick: Mit Eisen gegen die Angst.

       In: Concilium mediiaevi. Zeitschrift für Geschichte, kunst und Kultur des Mittelalters

       und der frühen Neuzeit 4 (2001), auch online: http://cma.gbv.de

 [4] www.wot.ch/pdf/Bohnerz.pdf : Bohnerzabbau auf den Südranden

 [5] Hermann Scholl: Chronik Gau-heppenheim: Häuser - Höfe - Heppenheimer (2004)

 [6] Familien- und Werksarchiv Gebr. Gienath-Eisenberg, Landesarchiv Speyer, Bestand T89.

 [7] F. J. Spang: Die Flurnamen der alten Kurmainzer Gemarkung Gau-Bickelheim.

       In: Wandern und Schauen, Mittelrhein Heimatblätter (1935).

 [8] Erich Hinkel: Gewinnung von Bohnerzen auf dem Westerberg zwischen Ingelheim und

      Gau-Algesheim.

       In: Heimatjahrbuch des Lkr. Mainz - Bingen (2004)

 [9] www.ingelheimergeschichte.de

 [10] B. Cloer, U. Kaiser-Cloer: Mannheimer Geographische Arbeiten, Heft 18 (1984).

 [11] Archiv der Verbandsgemeinde Alzey, etreffend Gau-Heppenheim.

 [12] www.urlaub-in-rheinland-pfalz.de

 

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