ChronikDenkmäler
"Ich Gottfried von Heppenheim ..."




 

Ein 400 Jahre alter Wappenstein aus Gau-Heppenheim

 

Von Rolf-Konrad Becker

Erschienen im Heimatjahrbuch aus dem Jahr 2010

 

 "Ich Gottfried von Heppenheim, genannt von Saal (...) und meine liebe hausfrau Agatha, geborene

Lerchin von Dirmbstein". So lautet die Inschrift eines Wappensteins aus dem Jahr 1609 in

Gau-Heppenheim.

 Inschriften und Wappensteine haben etwas eigenartiges, oft geheimnisvolles an sich. Sie sollen

Zeiten, Personen und Orte festhalten und in der Zukunft von Vergangenem erzählen. Anhand des hier

beschriebenen Wappensteins und überlieferter Archivalien wird versucht, die damaligen Umstände und

Schicksale zu erläutern.

 

 Beschreibung

 

 Der Wappenstein befindet sich heute auf dem Gebiet des Weinguts "Zum Alten Schloss"

Schlossgasse 4, angebracht in der westlichen Mauer der Toreinfahrt. Die heutige Schlossgasse

durchschneidet den ehemaligen Burgbezirk und wurde wohl in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

angelegt. Auf der Abbildung sind 2 Wappen und die Jahreszahl "1609" zu erkennen. Das linke Wappen

ist der Familie "von Heppenheim, genannt vom Saal" zuzuordnen. Sie besaß die Gau-Heppenheimer

Burg (Ersterwähnung 1402) zuerst teilweise, konnte aber im 15. Jahrhundert nach und nach die

übrigen Teile zukaufen, bis 1684 die Familie von Schönborn nach Aussterben der von Heppenheim

deren Erbe antraten. Das rechte Wappen ist das der pfälzischen niederadligen Familie "Lerch von

Dirmstein". Die Kombination als Allianzwappen mit der Jahreszahl 1609 hat natürlich Grund und

Aussage: Am 5. Mai 1608 heiraten Agatha Lerch von Dirmstein und Gottfried von Heppenheim, genannt

vom Saal.

 

 Personen und Zeiten

 

 Die Hochzeit fand in Gerolsheim statt "in des wohledlen Hans Wolffen von der Hauben behausung

(wurde) solches ehrenfest celebriert". Am 25. April 1608 war der "Heiratsbrief" (Ehevertrag)

unterzeichnet worden und am 2. Juni verzichtete Agatha, nach Erhalt ihrer "Ehesteuer", auf ihr Erbe,

sie leistete ihren "adelichen verzigk" (Verzicht). Am 2. August 1609 mußte der Ehevertrag, diesmal in

Gau-Heppenheim, ergänzt werden, da der ihr von Gottfried eingeräumte Witwensitz "die behausung

zu Altzen, der Saal genannt" kein Eigentum der Familie, sondern Lehen von Kurpfalz war. Ersatzweise

übergab nun Gottfried seinen Lonsheimer Besitz, ein "frey adelich hoffgut zu Lonßheim" an Agatha,

"so geschehen zu Heppenheim". Ob Gau-heppenheim der ständige Wohnort des jungen Ehepaares

war, sei dahingestellt, jedenfalls wird unser Wappenstein in diesem Jahr an einem der Burggebäude

eingemauert worden sein. Als Schlussstein eines Torbogens ist er zu groß, vielleicht wurde er nach

Abschluss von Neu- oder Umbaumaßnahmen an einem Erker oder über einem Portal angebracht.

 Das erste Jahrzehnt verläuft für die junge Familie in friedlichen Bahnen. 1609 wird Johann, 1612

Georg Anton geboren, sechs weitere Kinder des Ehepaares sollten spätersterben, drei davon

"in der wiege ehe sie 18 wochen alt worden". Wirtschaftlich scheint die junge Familie gur abgesichert

zu sein, 1609 war das zur Burg gehörige Gut zu Gau-Heppenheim neu verpachtet worden. Im selben

Jahr verfasst Gottfried ein "Zinsbuch", in dem die Alzeyer, Lonsheimer und Heimersheimer Einkünfte

aufgelistet werden.

 Doch 1618 bricht das Chaos los, die Schrecken des - später sogenannten - 30-jährigen Krieges

erreichen bald auch unsere Gegend. Zwei Briefe Gottfrieds sollen die Zeiten besser erläutern.

Am 24.12.1620 schreibt er an seinen Schwager Caspar Lerch von Dirmstein, "des Reichs Freien

Rheinischen Ritterschaft Ritterhauptmann am Oberrhein", durch die Kriegswirren sah sich Gottfried

gezwungen, sich mit seiner Familie in der Stadt Worms niederzulassen, denn "sollte ich mich in mein

gewohnlich haus zu (Gau-) Heppenheim verfügen,so hette ich bishero noch teglicher entthebung ...

weib- und kinderentführung von beiderseits volk (beiden Kriegsparteien) in einem solch offenen dorff

stettig besorgen müssten, sinthemal nicht zu leugnen, dass von Kaiserlicher Majestät volk, ettwan so

dan Princa Heinrich Friedrichs von Uranien oberster einer, als sie erstmalhs für Alzen gezogen, fast

mit 3 000 mann alda gewesen, in 56 pferdt in meinem haus und hofrayde (=Saalhof) gehabt. ... Daß

ich aber mich ahn atzo nach Altzen begeben solle, weil daselbst ein solche sterbenslauff, zu

geschweige was der krieg sonsten mit sich bringt", dies konnte er nicht wagen und siedelte mit

seiner "lieben hausfau und jungen kinder" in die sichere Stadt Worms über. Am 30.12.1621 berichtet

Gottfried: "Von (Gau-) Heppenheim mag ich nichts schreiben, mein hofmann wurde dergestalt

bisweilen spoliert (=geschädigt), geschlagen und betrebet, dass er nicht mehr begehrt darzubleiben

und vielleicht das haus künftiger zeit öde wird stehen müssen. ... Und wan schon in das dorff reiter

bisweilen gelegtt werden, wollen sie doch jederzeit besser stallung im schloss logieren, ogwohl die

gemeind essen, trinken, auch habern hinaufftregt, jedoch ich und die meinigen allezeit die gefahr

wegen feuers und anders ausstehen müssen".

 In dem 1649 erstellten Testaments Gottfrieds erfahren wir mehr über die Lebenswege der Familie.

Agatha stirbt 1632 und wird im Kreuzgang des Wormser Doms begraben, auch Gottfried wünscht

dort beerdigt zu werden. In dem Testament erfahren wir auch einiges überden Werdegang der

beiden Söhne. Für Johann werden zum "studiren und reysen in fremden landen ettlich tausend

gulden verwendet". Belegt sind Universitätsbesuche in Feiburg (1630 Johann und Georg Anton),

Orleans (1633 Georg Anton) und Perugia (1634 Johann und Georg Anton). Geld und Zeit waren gut

angelegt worden, Johann wurde später Domdekan in Mainz und die "rechte Hand" des Kurfürsten

Johann Philipp von Schönborn, seines Großcousins. Ein von Johann gestifteter v. Heppenheim-

Wappenstein befindet sich in der Barbara-Kapelle des Mainzer Doms. Mit Johann Philipp gründet er

das Priesterseminar und stattet es großzügig aus. Von seinem Vater erhält Johann testamentarisch

"die alte burg, haus, hoff und güther zu Lonßheim", seinem Bruder Georg Anton, später

würzburgischer Amtmann und Kommandant zu Königshofen im Grabfeld sollen "burg, haus, hoff und

güther zu Heppenheim" übertragen werden. Die brüder hinterlassen keine Nachkommen, Johann

vermacht die Lonsheimer Güter dem von ihm mitgegründeten Waisenhaus zu Mainz, bleiben in

dessen Besitz und werden in den 1930er Jahren an die Lonsheimer Bauern versteigert. Die

Gau-Heppenheimer Güter fallen, wie schon erwähnt, an die Familie v. Schönborn und werden in der

Franzosenzeit 1812, nachdem sie zum Nationalgut erklärt worden waren, an den Mainzer

Geschäftsmann Jean Schoenemann versteigert. Dieser veräußerte sie ein halbes Jahr später mit

Gewinn an die Gau-Heppenheimer Bauern.

 

 Das Wappen "von Heppenheim" im Alzeyer Land

 

Als Beitrag zu der zur Zeit in Arbeit befindlichen Denkmaltopografie des Kreises Alzey-Worms sei auf

weitere Standorte des Wappens hingewiesen:

Gau-Heppenheim:

 - Kath. Kirche St. Urban im Chorgewölbe v. heppenheim / v. Reiffenberg

 - sechs Grenzsteine Falkenstein / v. Heppenheim

Framersheim:

 - Ev. Kirche, Sakramentshäuschen in der Sakristei

Lonsheim:

 - Kath. Kirche, Grabplatte Anfang 16. Jahrhundert

Armsheim:

 - Ev. Kirche, Grabplatten v. Löwenstein / v. Heppenheim / Ulner v. Dieburg -"Veldenzsches Schloss"

    Schlussstein  Ulner / v. Heppenheim

Alzey:

 - Nikolei-Kirche, wappenstein Pfalzgraf / v. Rodenstein / v. Heppenheim, Grabplatte Margarete v.

    Heppenheim

Kloster Weidas:

 - Grabplatte Äbtissin Alheidis v. Heppenheim, im landesmuseeum Darmstadt

  Seit 1935 trägt die Gemeinde Gau-Heppenheim, neben einem Rebstock, das alte

  v. Heppenheimsche Wappen im Ortswappen.

 

 Quellen und Literatur:


 LHA Koblenz Bestand 204 Nr. 53, Testament des Gottfried von Heppenheim; 1649, Febr. 8.

 StA Darmstadt F2 15/5; F2 15/12, Briefe des Gottfried von Heppenheim.

 StA Ludwigsburg B 139a Bd 1968, 1003 - 1008 Ehevertrag Agatha-Gottfried.

 Martin, Michael: Quellen zur Geschichte Dirmsteins und der Familie Lerch von Dirmstein.

 Neustadt a. d. W. (2004).

 Scholl, Hermann: Chronik Gau-heppenheim. Alzey (2004) Zur Schlossgasse 4: Seite 101 ff.

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